Ostern ist die Zeit für Ruhe, Besinnlichkeit und Frieden. Passend dazu habe ich euch heute eine italienische Ostertaube mitgebracht. Die Colomba Pasquale ist eine in Form einer Friedenstaube gebackene Panettone und damit das perfekte Gebäck für die Ostertage. Für dieses doch recht aufwändige Gebäck braucht man viel Zeit und Ruhe. Die langen Knetenzeiten haben etwas Meditatives und man wird mit einem himmlischen Genuss belohnt.
Zugegeben, das klingt vielleicht etwas dick aufgetragen, aber die Colomba gehört in der Tat zu den aufwändigsten Rezepten in unserem Blog. Zumindest, wenn man sie richtig machen möchte. Wer eine einfachere, aber trotzdem leckere Variante bevorzugt, kann sich auch an der Colomba Pasquale – Ostergebäck mit Kirschen und Aprikosen mit einem Hefeteig versuchen.
Ich hatte dieses Jahr mal wieder Lust auf die Sauerteigvariante. Ich hatte dieses Jahr wieder einmal Lust auf die Sauerteigvariante. Im Netz findet man verschiedene Versionen von einigen bekannten italienischen Bäckern. Nachdem ich beim ersten Mal dengebacken habe, habe ich mich dieses Mal an ein Rezept von Piergiorgio Giorilli orientiert.
Im Netz gibt es ein paar leicht unterschiedliche Varianten. Ich habe mich auf Feeling Foodish verlassen, da sie eine Tabelle mit Mengenangaben basierend auf den Zielwert anbieten und ich insgesamt 4 große Colombas gebacken habe. Wobei die Berechnung die Einlage nicht mit rein rechnet, so das es am Ende gute 4 Kilo Teig waren.

Bevor wir uns aber zu tief in das Rezept vertiefen, möchte ich euch zunächst auf die weiteren Backrezepte der anderen Blogger hinweisen. Unten findet Ihr noch 11 weitere tolle Rezepte. Heute ist ja neben Ostern auch der erste Sonntag im Monat. Zeit für eine neue Runde „Leckeres für jeden Tag”, bei der sich alles um Brot und Brötchen dreht. Auch wenn die Colomba kein klassisches Brot ist, habe ich sie als Osterbrot in die Runde geschmuggelt. Wer frühstückt an Ostern nicht gerne auch mal süß? 🙂
Colomba Pasquale Rezepte – klassisch und mit Nougat & Pistazie
Kommen wir nun also zum Rezept. Ihr braucht für die Colomba insgesamt ca. 60 Stunden, aber sie kann ruhig ein paar Tage früher fertig sein und dann bis zum Verzehr gelagert werden. Ich habe ein Rezept für zwei Tauben mit je 750 g Teigmenge aufgeschrieben. Wir haben aber insgesamt vier Tauben mit zwei verschiedenen Einlagen gemacht.
Die Grundlage für eine gelungene Colomba oder Panettone ist milder und richtig fitter Lievito Madre (LM). Der festgeführte milde Weizensauerteig ist die Grundlage. Ohne diesen solltet ihr lieber auf eine Hefeversion wechseln. Als Grundlage kann auch ein weicher Weizensauerteig verwendet werden, sofern dieser mild geführt wird, d. h. mit einem sehr hellen Mehl.
Wer keinen passenden Sauerteig zu Hause hat, kann sich hier in der Sauerteigbörse einen besorgen. Wenn ihr einen habt, ihn aber nicht so oft füttert, empfehle ich, ihn in der Woche davor regelmäßig aufzufrischen, damit ihr bis zum eigentlichen Start einen sehr aktiven Teig habt. Dabei solltet ihr die Temperaturen zwischen 28 °C und 18–19 °C wechseln. Ich habe tagsüber mehrfach bei 28 °C aufgefrischt und dann über Nacht noch bei 18–19 °C. Wer zu viele Sauerteigreste hat, kann damit wunderbar die leckeren sauerteig Grissini – perfekt für Auffrischreste oder passend zur Jahreszeit die Bärlauch-Sauerteig-Grissini mit Bärlauch Dip machen. Davon kann man nicht genug auf Vorrat haben, da sie doch sehr schnell aufgegessen sind.
Bleiben wir beim LM. Sollte er nicht so mild, aber sehr aktiv sein, empfehle ich euch die Nougat-Pistazien-Variante zum Start. Die kann etwas Säure im Teig vertragen.
Dann solltet ihr backstarkes Mehl verwenden. Ich habe mich für das Manitoba-Mehl von Eiling entschieden. (Die Biomühle Eiling empfehle ich übrigens aus reiner Überzeugung, ohne daraus einen Vorteil zu ziehen.)
Am ersten Tag startet ihr mit drei Auffrischungen. Die letzte sollte im besten Fall nur zweieinhalb Stunden bis zur Verdopplung dauern.
Auffrischungen
- 100 g LM Ansatz aus der letzten Auffrischung
- 100 g backstarkes helles Weizenmehl
- 40 g Wasser
Alle Zutaten 12 bis 15 Minuten lang kneten, dünn ausrollen und zu einer Rolle aufrollen. In ein Glas geben und von oben ein großes Kreuz einschneiden. Das Ziel ist, dass die Luft möglichst überall mit dem Teig in Berührung kommt, damit sich der Sauerteig gleichmäßig entwickeln kann. Warten, bis der Teig sich knapp verdreifacht hat, und dann das nächste Mal auffrischen. Das sollte etwa 3,5 Stunden dauern. Bei der letzten Auffrischung kurz nach der Verdoppelung mit dem ersten Teig weitermachen.
Allen, die noch bei FB sind, empfehle ich in Bezug auf Panettone übrigens die Gruppe Breadmania. Bessere Ergebnisse findet ihr aus meiner Sicht im Netz nirgendwo und dort habe ich auch die Idee mit dem Ausrollen bekommen.
Im Laufe des Tages habe ich noch Läuterzucker für den ersten Teig zubereitet. Seit ich die Franzbrötchen aus dem Café Luise – (entdeckt bei „Kitchen Impossible”) gebacken habe, bin ich ein großer Fan davon, den Zucker flüssig einzuarbeiten.
Läuterzucker
- 160 g Zucker
- 200 g Wasser
Zucker und Wasser zusammen aufkochen und so lange gut umrühren, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. Anschließend abkühlen lassen. Vor der letzten Auffrischung in den Kühlschrank stellen.
Erster Teig (Primo Impasto)
- 210 g Lievito Madre
- 370 g Mehl
- Läuterzucker aus dem Kühlschrank
- 80 g Eigelb (4-5 Eier) kalt
- 110 g Butter kalt in kleinen Stückchen
Den LM in kleine Stücke zupfen. Das Mehl und den Zucker hinzufügen und alles 8–10 Minuten lang kneten. Anschließend die Butter stückchenweise und das Eigelb in kleinen Mengen einarbeiten. Die Knetzeit beträgt insgesamt ca. 25–30 Minuten. In einigen Rezepten habe ich gelesen, dass das Mehl auch kaltgestellt wird. Wichtig ist, dass die Teigtemperatur 26 °C nicht überschreitet, da die Glutenstruktur sonst beschädigt wird. Im Zweifel die Teigschale für 10–15 Minuten in den Kühlschrank stellen und dann fertig kneten.

Nach dem Kneten sollte mit dem Teig ein perfekter Fenstertest möglich sein. Gebt den Teig nun in eine große Schüssel mit Deckel. Er sollte sich in den nächsten 10 bis 12 Stunden bei 26 °C ungefähr verdreifachen. Am nächsten Morgen macht ihr euch an den zweiten Teig. Dafür stellt ihr den ersten Teig zunächst für ein bis zwei Stunden in den Kühlschrank, bevor ich ihn mit dem zweiten Teig starte.
Zweiter Teig (Impasto secondo) - Klassisch
- Erster Teig (aus dem Kühlschrank)
- 90 g Mehl
- 100 g Puderzucker
- 150 g Eigelb (8 Eier) kalt
- 150 g Butter kalt in kleinen Stückchen
- 10 g flüssiges Gerstenmalz (aktiv) oder 3 g aktives Malzmehl
- 50 g Akazienhonig (oder Orangenhonig)
- 150 g Rosinen
- 120 g Orangeat
- 120 g Zitronat
- 2 Vanilleschoten
- Abrieb von 1 Orange
- Abrieb von 1 Zitrone
Zweiter Teig (Impasto secondo) - Nougat & Pistazie
- Erster Teig (aus dem Kühlschrank)
- 90 g Mehl
- 100 g Puderzucker
- 150 g Eigelb (8 Eier) kalt
- 150 g Butter kalt in kleinen Stückchen
- 10 g flüssiges Gerstenmalz (aktiv) oder 3 g aktives Malzmehl
- 50 g Akazienhonig (oder Orangenhonig)
- 200 g Nougat in kleinen Stückchen
- 180 g Pistazien
- 2 Vanilleschoten
- Abrieb von 1 Orange
Der zweite Teig ist nun noch anspruchsvoller. Ihr beginnt mit dem ersten Teig und dem Mehl und knetet beides erst einmal langsam und gründlich zusammen. Dann gebt ihr den Puderzucker vorsichtig zum Teig und knetet ihn ganz langsam ein. Anschließend gebt ihr das Salz dazu und knetet nacheinander den Honig, die Vanille und die Abriebe von Zitrone und Orange ein. Nun gebt ihr die Hälfte des Eigelbs dazu. Wenn alles eingeknetet ist, beginnt ihr mit der Butter und knetet auch davon die Hälfte ein. Beachtet dabei wieder die Teigtemperatur, damit der Teig nicht zu warm wird. Das sollte eigentlich nicht passieren, da der Teig im Kühlschrank war, aber sicher ist sicher. Nach der Butter macht ihr mit dem restlichen Eigelb weiter. Zum Schluss knetet ihr erst die Butter und dann ganz schnell Rosinen, Orangeat und Zitronat (bzw. Nougat und Pistazien) ein und gebt den Teig direkt in eine Schüssel mit Deckel.

Lasst den Teig nun noch einmal für eine Stunde warm gehen. In der Zwischenzeit bereitet ihr die Formen vor. Da die Colomba wie ein Panettone über Kopf auskühlen muss, steckt ihr die Stäbe am besten vor dem Einfüllen des Teigs durch die Form. Wenn ihr das nach dem Backen macht, fällt der Teig schon etwas zusammen. Ich habe lange Schaschlikspieße verwendet, ihr könnt aber auch Holzstäbe oder Ähnliches verwenden, sofern sie lang genug sind. Sie sollten nur hitzebeständig bis 180 °C sein.
Nun teilt ihr den Teig auf die beiden Formen auf und lasst ihn für vier bis fünf Stunden warm gehen. In dieser Zeit muss sich der Teig mehr als verdoppeln und bis knapp unter den Rand der Form gehen.
Während der Teig geht, könnt ihr euch ans Icing machen.
Zutaten Icing - klassisch
- 40gr geriebene Mandeln
- 40gr Eiweiß
- 60gr Puderzucker
- 15gr Mandelsplitter für die Deko
- 15gr Perlzucker für die Deko
- Ganze Mandeln für die Deko
Zutaten Icing - Nougat & Pistazie
- 40gr geriebene Haselnüsse
- 40gr Eiweiß
- 3gr Backkakao
- 60gr Puderzucker
- 30gr Haselnusssplitter für die Deko
Für das Icing Nüsse (entweder Mandeln oder Haselnüsse), Eiweiß, Zucker und ggf. Kakao miteinander vermischen, bis sich eine gleichmäßige Masse ergibt. Diese zur Seite stellen, bis die Colomba bereit ist zum Backen.
Wenn Ihr seht, dass die Colomba fast bereit ist, heizt Ihr den Ofen auf 170° Ober- & Unterhitze vor. Vor dem Backen streicht Ihr die Oberfläche komplett mit dem passenden Frosting ein und verteilt die Deko auf dem Frosting. Die ganzen Mandeln könnt Ihr als Augen der Taube verwenden.
Die Colomba wird relativ weit unten im Ofen für ca. 50-55 Minuten gebacken und ist fertig, wenn die Kerntemperatur bei 92-93° angekommen ist. Wenn sie soweit ist, nehmt Ihr sie aus dem Ofen und hängt sie direkt über Kopf auf. Dort muss sie nun noch mal mindestens 12 Stunden über Kopf hängen bleiben.
Wenn Ihr Karfreitag am Morgen angefangen habt, ist sie für die Ostertafel gerade rechtzeitig fertig und Ihr könnt sie direkt genießen.

Sollten Euch die Colomba etwas aufwändig sein, haben wir natürlich noch 10 weitere tolle Rezepte zu Ostern – Eierlikör, Möhrenkuchen & mehr für Euch. Und für das Eiweiß lege ich Euch insbesondere die Oster-Pavlova – Mini-Baiser Törtchen mit selbst gemachten Lemon Curd oder auch die Kokosberger – die saftige Version der Kokosmakronen ans Herz.
Ganz neu im Blog ist auch das Hot Cross Loaf – Aromatisches Osterbrot mit Cranberries und Mandeln womit wir wieder zurück zum heutigen Motto kommen.
Brot & Brötchen Rezepte von anderen Bloggern
Bianca von ELBCUISINE mit Grissini
Britta von Backmaedchen 1967 mit Möhrenbrötchen
Caroline von Linal’s Backhimmel mit Schnelles Ciabatta
Daniela von Kartoffelwerkstatt mit Kartoffel-Dinkelbrot mit Bärlauchquark Kartoffel-Dinkel-Brot mit Bärlauchquark
Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum mit Einfaches Dinkelbrot mit Haferflocken und Saaten
Martina von ninamanie mit Ährenbrot mit Kräutern und Parmesan
Regina von Bistroglobal mit Pain d’Epices
Simone von zimtkringel mit Fenchelkranz
Susan von Labsalliebe mit Das einfachste Barbari Brot der Welt (Air Fryer Rezept)
Sylvia von Brotwein mit Baguette Brötchen
Tina von Küchenmomente mit Rustikale Tigerbrötchen

Wow! NA das ist ja mal ein Highlight und was ganz Besonderes! Danke fürs Teilen!
Frohe Ostern! Liebste Grüße von Martina
Lieber Volker, das ist wirklich ein aufwändiges Rezept und sicher sehr, sehr lecker. Frohe Ostern, Regina
Lieber Volker, ich bin total begeistert! Eine Colomba selbst zu backen ist ja schon eine kleine Meisterleistung – großartig umgesetzt!
Schönes Osterwochenende!
Caroline
Lieber Volker, nicht schlecht, gar nicht schlecht! (Mit original schwäbischem Understatement kommentiert). Im Ernst, dein Rezept ist sehr beeindruckend.
Herzliche Grüße aus dem Süden
Simone